Kraftfutter Heu

 

(Quellen: Dr. Christina Fritz, Vortrag, Skript/Gesunde Pferdefütterung Hans-Peter Karp/ Pferdefütterung Helmut Meyer/ Klaus-Rainer Töllner, Biologe, Tierisch geheilt/Pschyrembel)

 

Einführung in die Fütterung und den Stoffwechsel des Pferdes.

 

Im Rahmen meiner therapeutischen Arbeit am Pferd begegnen mir immer häufiger Pferde, die an Stoffwechselerkrankungen leiden. Hierzu zählen u.a. KPU, EMS, Cushing und PSSM. Diese Pferde zeigen Symptome, wie Steifheit, Muskelabbau trotz Training, Verfettung, mangelnde Leistungsfähigkeit, schlechte Hufqualität u.v.m.

Mit Cranio-Sakral-Therapie und energetischer Arbeit kann ich diesen Pferden nicht ausreichend helfen. Hier heißt es, ein besonderes Augenmerk auf die Ernährung zu werfen und den Stoffwechsel des Pferdes wieder „auf Vordermann“ zu bringen. Auch das Entgiften ist hier ein großes Thema. Stoffwechselprobleme zu behandeln, bedeutet auch immer, die Bewegung, die Haltung und die Fütterung des Pferdes umzustellen.

 

Wie kommt es nun aber dazu, dass unsere Pferde immer häufiger an diesen Krankheiten erkranken die es vor nicht allzu langer Zeit doch noch gar nicht gab?

 

Christina Fritz begann ihren Vortrag damit, uns daran zu erinnern, wie die ursprüngliche Art der Ernährung des Pferdes aussah, als es noch in freier Wildbahn lebte. Das Wildpferd ernährte sich von Gras. Und hier ist die Rede von Steppengras! , welches trocken, nährstoffarm und raufaserreich ist. Unser Weidegras hier in Deutschland, ist im Gegenteil dazu das reinste „Fast Food“. Außerdem gehörten Kräuter, Blätter, Zweige, Wurzeln, Früchte, Nüsse und Samen mit auf den Speiseplan, die heutzutage auf den herkömmlichen Weiden nicht ausreichend zu finden sind.

Die Pferde legten täglich weite Strecken zurück um ausreichend Futter zu finden. Sie bewegten sich langsam vorwärts und fraßen dabei um die 16 Stunden am Tag. Der Verdauungstrakt des Pferdes war nie länger als 4 Stunden ohne Nachschub, und Stress während des Fressens war in einer eingespielten Herde sehr gering.

 

Wenn man mal in unsere modernen Ställe schaut sieht man häufig Pferde die während des Fressens unter Stress stehen. In der Box wird zum Boxennachbarn „gegiftet“, im Offenstall wird man ständig vom ranghöheren Pferd weggeschickt. Dieser Stress bedingt, dass das Pferd ständig auf Flucht oder Kampf gepolt ist und das Blut, welches eigentlich dem Verdauungstrakt zur Verfügung stehen sollte, dem Bewegungsapparat zugeführt wird. Keine gute Voraussetzung für eine optimal ablaufende Verdauung. Üppige Heufütterung kann bereits deutlich zur entspannten Stimmung in einem Offenstall beitragen.

 

Die zu geringe Bewegung unserer Stallpferde, wozu auch die Offenstallpferde gezählt werden müssen, bedingt, dass der Nahrungsbrei im Verdauungstrakt nicht optimal transportiert wird. Das Pferd in freier Wildbahn geht im Durchschnitt 50km am Tag in ruhigem Tempo. Da kommen wir auch mit unserer Arbeitseinheit, ob nun Ausritt oder Dressurstunde nicht ran. Dennoch ist tägliche Bewegung für unsere Pferde ein Muss, da diese den Stoffwechsel anregt.

 

Unsere Pferde sind Meister darin maximal Nährstoffe aus ihrer Nahrung aufzunehmen. 85% zieht ein Pferd aus seinem Futter. Dies ist eine sehr hohe Verwertung im Gegenteil zu dem Menschen oder dem Hund. Die Pferdeäppel bestehen somit nur noch aus Ballaststoffen und Mikroorganismen.

 

Die Nahrungsaufnahme beginnt mit dem Maul. Hier findet bereits der wichtige Prozess des Einspeichelns statt und Futterbestandteile werden sortiert. Raufaserreiches Futter, z.B. Heu wird mit 3.000-3.500 Kauschlägen pro Kg zerkleinert, wobei 3-5l Speichel produziert werden. Dieser sorgt für ein einfeuchten des Futters sowie für eine ph-Wert Regulation. Die Fresszeit liegt bei 40-50 Minuten.

 

Kraftfutter wird deutlich schneller gefressen. Das Kilo ist nach 8-15 Minuten verschwunden, wobei das Pferd nur 800-1.200 Kauschläge gemacht hat und nur 1-2l Speichel produziert.

 

Nun geht es weiter mit dem Nahrungsbrei durch die nur 1,5 cm breite Speiseröhre in den Magen. Hier befindet sich ein Muskel am Mageneingang, der den Nahrungsbrei rein lässt, aber nicht wieder raus. Hier liegt auch der Grund, warum Pferde sich nicht übergeben können. Da sie den ganzen Tag mit tiefem Kopf grasen, würde ihnen vermutlich sonst der Nahrungsbrei immer wieder zurück in die Speiseröhre laufen.

Im Magen angekommen, finden wir nicht besonders viel Platz vor, da er auf ständig ankommende kleine Mengen ausgelegt ist. Er hat etwa 15l Fassungsvermögen und das Futter verweilt nur 2-6 Stunden hier. Es gibt einen vorderen Teil und einen hinteren Teil.

Im vorderen Teil findet man Milchsäurebakterien, die bei der Verdauung von Proteinen, Zucker und leicht löslicher Stärke helfen. Hier wird auch das Verdauungsenzym Pepsin freigesetzt, welches bei der Proteinverdauung benötigt wird. Der ph-Wert liegt bei 5-6.

Im hinteren Teil wird es dann deutlich saurer, denn die Magensäure kommt zum Einsatz. Hier wird sie permanent von Drüsen produziert und tötet, eingemischt in den gut durchfeuchteten Nahrungsbrei, krankmachende Keime ab und aktiviert die eiweißspaltenden Enzyme.

 

Intensiv eingespeicheltes Futter wird offenbar schneller transportiert als konzentrierte Futtermittel. Nach größeren Mengen Kraftfutter ist der Magen aufgrund der schnellen Futteraufnahme für längere Zeit gefüllt als mit der gleichen Menge Raufutter. Da das Kraftfutter auch nicht ausreichend durchfeuchtet ist, kann die Magensäure nicht optimal wirken und es kommt schnell zu Fehlgärungen im Magen, was zu Koliken führen kann.

 

Das bedeutet für unsere Fütterung, dass es unbedingt notwendig ist, Kraftfutter immer nur in kleinen Gaben zu verabreichen. Das heißt 1-2 Hand voll pro Gabe.

 

Nochmal zurück zur Magensäureproduktion. Sie findet ständig statt. Das heißt, der Magen des Pferdes ist nicht darauf ausgelegt „leer zu laufen“. Befindet sich kein Futter mehr im Magen sammelt sich im hinteren Teil des Magens Magensäure an, die bei Bewegung in den vorderen Teil des Magens gelangen kann und hier Magengeschwüre verursacht.

Diese Geschwüre basieren dann auf Fehler in der Fütterung des Pferdes, nämlich zu wenig Raufutter. Geschwüre im hinteren Teil des Magens weisen eher auf eine stressbedingte Erkrankung hin. Wie bereits erwähnt wird bei einem gestressten Pferd vermehrt Blut dem Bewegungsapparat zur Verfügung gestellt. Das heißt, dass der Magen über längere Zeit nicht gut versorgt wird und die Magenwand des hinteren Magenteils für die Magensäure angreifbar wird. Es entstehen Magengeschwüre.

 

Nun aber dem Nahrungsbrei weiter hinterher in den Dünndarm.

 

Dieser ist mit 20m sehr lang. Hier findet die Verdauung der leicht verdaulichen Anteile im Nahrungsbrei statt. Mit Hilfe von Enzymen werden Kohlenhydrate, Eiweiße und Fette aufgenommen. Auch Mineralien und Vitamine werden resorbiert. Gallenflüssigkeit und Pankreassekret neutralisieren den sauren Nahrungsbrei.

 

Das Pferd hat keine Gallenblase, da es bei natürlicher Nahrungsaufnahme nur gering Fette zu sich nimmt. Also hat es keinen Bedarf an plötzlich großen Mengen Gallenflüssigkeit für die Fettverdauung, wie es bei dem Fleischfresser der Fall ist. Somit ist auch die Fütterung von höheren Ölmengen umstritten.

 

Stärke wird im Dünndarm nur gering verdaut. Nur die Stärke des Hafers kann im Dünndarm gut aufgenommen werden. Stärke aus Gerste und Mais muss zum großen Teil weiter an den Dickdarm abgegeben werden wo Mikroorganismen die Stärke abbauen. Allerdings muss hierzu die Gerste gebrochen gefüttert werden und der Mais in Form von Flocken oder aufgepoppt. Sonst ist die Stärke für Pferde nicht verdaulich.

 

Weiter geht es in den Dickdarm mit den Anteilen Blinddarm, Grimmdarm und Mastdarm. Der Blinddarm ist 1m lang und hat 33l Fassungsvermögen, der Grimmdarm nimmt mit 10m Länge und 50-60l Fassungsvermögen den größten Teil des Verdauungstraktes ein. Blinddarm und Grimmdarm sind Gärkammern, in denen Bakterien in erster Linie die Rohfaser zersetzen, aber auch im Dünndarm unverdaute Nährstoffe.

 

Die Darmflora im Dickdarm baut Cellulose, Pektin und Lignin (Bestandteil des Holzes) ab und setzt Zucker daraus frei. Aus der Cellulose werden Mineralien, Spurenelemente und Vitamine gewonnen.

Im Mastdarm wird dem nun nur aus Mikroorganismen und Ballaststoffen bestehenden Nahrungsbrei noch Wasser entzogen bevor alles wieder nach draußen befördert wird.

 

Nun wisst ihr so in etwa was bei der Verdauung im Pferd überhaupt passiert.

 

Heraushören konnte man schon, dass Raufutter für Pferde geeigneter ist als Kraftfutter.

 

Christina Fritz nahm sogar die Worte in den Mund: HEU IST DAS NEUE KRAFTFUTTER!

 

Was heißt das?

 

Zu unseren gängigen Pferdefuttern gehören Raufutter, Kraftfutter und Saftfutter.

 

Ich beginne mit dem Raufutter, welches für unsere Pferde das Hauptnahrungsmittel sein MUSS.

 

Zum Raufutter zählt man Heu, Stroh und Gras.

 

Die Aufnahme von Raufutter ist für das Pferd sehr zeitintnesiv. Es muss viele Mahlbewegungen ausführen, bis das langfaserige Futter ausreichend zerkleinert ist. Die Zähne werden dadurch optimal abgenutzt und ausreichend Speichel und Verdauungssekret wird produziert. Das Pferd ist für lange Zeit mit fressen beschäftigt.

Zudem ist das Raufutter unser Hauptlieferant von Energie, Mineralien, Spurenelementen und Vitaminen. Hier finden sich die Hauptnährstoffe für die Darmflora.

 

Schweifen wir nochmal ab zur Darmflora.

 

Hier ist die Rede von der Darmschleimhaut. Sie ist vielfach ausgestülpt und bildet die sogenannten Darmzotten aus, die dafür sorgen, dass eine riesige Oberfläche entsteht. Hier enden Blut- und Lymphgefäße über die der Nährstofftransport in den Körper stattfindet.

Auf der Schleimhaut befinden sich die Symbionten. Bakterien die bei der Verdauung helfen. Sie schließen verdauliche Stoffe auf, produzieren Vitamine und schützen vor gefährlichen Keimen, indem sie ihren Platz verteidigen. Je größer die Vielfalt im Futter der Pferde ist, umso besser für die Vielfalt der Bakterien. Viele davon sind auf Kräuter angewiesen wie sie das Wildpferd regelmäßig zu sich nimmt. Wird das Futter zu einseitig, wie durch zu viel Stärke, verschwinden viele Arten. Besonders die Bakterien, die für die Verwertung der Cellulose zuständig sind, werden von Milchsäurebakterien und somit auch von Pilzen verdrängt.

 

Ist die Darmschleimhaut intakt hat das Pferd ein gesundes Immunsystem und ist sicher vor einem Wurmbefall. Denn nur Pferde die an einem gestörten Darmsystem leiden neigen zum Verwurmen. Ist der Darm stabil – kein Wurmbefall.

Christina Fritz empfiehlt selektiv zu entwurmen, um Resistenzen der Würmer gegen die Mittel in den Wurmkuren vorzubeugen. Das heißt man schickt eine Kotprobe ins Labor und lässt bestimmen ob, und wenn ja welche Würmer das Pferd befallen haben. Nun kann gezielt entwurmt werden.

 

Zurück zum Raufutter.

 

Pferde sind auf die Verwertung faserreicher Futter eingestellt. Trockene, harte Gräser, Wiesenpflanzen, feste verholzte Stiele, Blätter und Rinden gehören auch im Winter auf ihren Speiseplan. Der hohe Ballaststoffgehalt in diesem Futter ist notwendig für den Nahrungsbreitransport im Darm.

Pferde die häufig am Holz nagen, haben in der Regel zu wenig Ballaststoffe in ihrem Futter, aber auch Langeweile spielt hier eine Rolle.

 

Die Cellulosen, Hemizellulosen und Pektine aus diesem Futter können die Pferde mit ihren eigenen Enzymen nicht verdauen. Die Verdauung ist abhängig von den Bakterien der Darmschleimhaut, die darauf spezialisiert sind.

Natürlich muss die Qualität von Heu und Stroh gut sein. Schnell siedeln sich bei fehlerhafter Herstellung oder Lagerung im Futter Pilze an die das Pferd krank machen.

 

Die optimale Erntezeit des Heus liegt in der ersten Hälfte der Gräserblüte. Wird das Gras zu lange stehen gelassen siedeln sich auch hier Pilze an. Zu früh gemähtes Futter ist zu weich und blattreich. Es ist schlechter einzulagern und besteht aus nur wenig stengelhaltigem Material.

Wichtig ist es Heu und Stroh gut abzulagern nach dem Einfahren. Mindestens die ersten 6-8 Wochen (Stroh 4-6 Wochen) darf es den Pferden nicht gefüttert werden. Frisches Heu schwitzt noch nach und reduziert in dieser Zeit seinen Feuchtigkeitsgehalt auf unter 15%. In dieser Nachtrocknungsphase vermehren sich Bakterien die schwere Verdauungsstörungen und Koliken bei den Pferden auslösen. Erst ab einem Wassergehalt unter 15% kommt es zu einer Keimruhe. Erreicht das Heu diesen Trockengehalt nicht kommt es zu einer Bildung von Schimmelpilzen und einer Ansiedlung von Bakterien und Milben. Das Heu verliert seine satte grüne Farbe und riecht unangenehmen.

Steht uns ein gutes Heu zur Verfügung kann unser Pferd 2kg pro 100kg Lebendmasse täglich davon bekommen. Auch gerne ad libitum.

 

Um eine langsamere Futteraufnahme zu fördern, ist es ratsam, engmaschige Heunetze oder Futterboxen zu verwenden. Die Pferde können so immer nur kleine Mengen zupfen und die Fresszeit wird deutlich verlängert.

 

Zu beachten ist dabei die Haltung des Pferdes bei der Futteraufnahme. Ein Heunetz sollte nicht baumeln sondern fest an der Wand fixiert sein. Möglichst so, dass das Pferd gerade davor stehen kann und nicht permanent beim fressen das Genick verdrehen muss (sonst komme ich als Therapeut bald zum Einsatz um Nackenverspannungen zu lösen). Optimal ist eine tiefe Kopfhaltung bei der Heuaufnahme. Hier sehe ich Vorteile bei den Futterboxen, die das Pferd zum Kopfsenken veranlassen.

Ein zu tief aufgehängtes Heunetz birgt immer die Gefahr, dass das Pferd sich darin verfängt.

Es empfiehlt sich auch bei ausreichender Raufutteraufnahme einmal im Jahr die Zähne kontrollieren zu lassen.

 

Im Sommer steht bei den meisten Pferden frisches Gras von der Weide auf dem Speiseplan. Probleme haben hier nur die Rehepferde, für die zu viel frisches Gras Gift ist.

 

Für JEDES Pferd gilt aber, es vorsichtig anzuweiden. Frisches Gras hat einen hohen Pektin und Fruktangehalt (hochkonzentrierte Mehrfachzucker). Durch den hohen Pektingehalt wird die Darmflora gestört und Endotoxine werden freigesetzt. Diese lösen eine Hufrehe aus. Das heißt die Darmflora muss langsam an das gehaltvolle Futter herangeführt werden.

 

2-3 Wochen sollte sich die Phase des Anweidens hinziehen, wobei an den ersten Tagen von nur 10-30 min Weide die Rede ist. Sinn macht es dem Pferd vor dem Weidegang noch eine Heuration zu geben damit es sich nicht voller Heißhunger und mit leerem Magen auf das frische Gras stürzt.

 

Ungeeignet für Pferde sind ehemalige Kuhweiden. Auf ihnen wurden Hochleistungsgräser ausgesät, die dem Milchvieh sehr viel Eiweiß und Zucker liefern für unsere Pferde aber ungeeignet sind. Sie sind viel zu gehaltvoll. Die Folgen sind: Übergewicht, Leberprobleme, Verdauungsstörungen und Hufrehe. Es gibt Gräsermischungen speziell für Pferdeweiden.

Wie lange ein Pferd nun auf die Weide gehen darf ist abhängig vom Nährstoffgehalt des Weidegrases, vom Leistungsbedarf des Pferdes, seiner Futterverwertung, der Rasse und des Gesundheitszustandes.

Geht das Pferd 24h auf die Weide, reicht es aus, seine Grasration durch einen Salzleckstein und Mineralfutter zu ergänzen. Geht es nur stundenweise auf die Weide macht es Sinn vorher etwas Heu zu füttern und nach dem Weidegang das Kraftfutter.

Achtung ist geboten auf abgegrasten Weiden. Zu kurzes Gras wird nicht ausreichend gekaut und hat einen hohen Fruktangehalt, der sich im Stengel befindet. Der Grasbestand sollte etwa 10-15cm hoch gewachsen sein. Hier sind auch Raufutter zu erwähnen, die man abgesackt kaufen kann. Dieses kurzgehäckselte Raufutter ist kein geeignetes Pferdefutter, da es von den Pferden nicht gut zermahlen wird.

 

Der Fruktangehalt im Gras ist auch abhängig von der Sonneneinstrahlung, der Temperatur, dem Nährstoffgehalt des Bodens und der Witterung. Bei Trockenheit und nährstoffarmen Boden ist er erhöht, da die Pflanze nicht ausreichend wachsen kann. Hier ist düngen angebracht. Düngen bedeutet nicht automatisch, dass ich den Fruktangehalt in der Pflanze nach oben treibe. Es kann auch das Gegenteil bewirken.

Bei Temperaturen unter 10°C steigt der Fruktangehalt stark an. Dies ist bei Pferden mit Stoffwechselerkrankungen besonders im Frühjahr und im Herbst zu beachten. Im Sommer ist der Gehalt am Vormittag am geringsten und steigt ab Mittag wieder an.

 

Zum Thema Raufutter sei noch die Silage oder besser Heulage erwähnt, die auch vermehrt in Pferdeställen als Futtermittel eingesetzt wird. Ein Grund hierfür ist die einfache Herstellung und Lagerung sowie positive Erfahrung bei heustauballergischen Pferden.

 

Siliertes Futter hat einen höheren Nährstoffgehalt als Heu. In der Zusammensetzung ähnelt es dem Ausgangsmaterial. Ein Teil der Kohlenhydrate wird jedoch zu Milchsäure umgewandelt und diese hat im Pferdedarm nicht zu suchen. Wie wir bereits wissen verdrängen Milchsäurebakterien die wichtigen Cellulose verdauenden Bakterien auf der Darmschhleimhaut. Bei Heulagefütterung geschieht dies bereits binnen 3 Wochen. Alles säuert sich an. Schäden die die Milchsäurebakterien im Pferdekörper anrichten kommen schleichend. Die Milchsäure wird in den Geweben mit Wasser eingelagert, weil der Körper die Ausscheidung nicht schafft. Die Leistung des Pferdes geht zurück. Symptome wie Kotwasser, Mauke, Strahlfäule, schlechte Hornqualität, Lymphstau und Verletzungen an übersäuerten Sehnen und Bändern kommen erst im Laufe der Jahre zum Vorschein.

 

Kommen wir nun zum Kraftfutter.

 

Hierzu gehören Hafer, Gerste und fertige Kraftfuttermischungen, wie Müslis. Sie liefern schnelle Energie, Eiweiß für zusätzlichen Musekelbedarf und Fettsäuren.

 

Im Kraftfutter finden wir leicht verdauliche Inhaltsstoffe, wie Zucker, Stärke und Fette. Bei der Herstellung wurde in der Regel primär auf den Eiweißgehalt geachtet wobei dann der immer größer werdende Stärkeanteil unbeachtet blieb. Die leichtverdaulichen Stoffe können bereits zum Großteil im Dünndarm dem Körper zur Verfügung gestellt werden. Das hört sich doch gut an? Oder? Aber was hat denn jetzt der Dickdarm noch zu tun? Der wartet vergeblich auf schwerverdauliche, faserreiche Bestandteile, wie Stroh, Gras oder Laub. Und wie wir bereits gelernt haben ist dieses Futter doch der Hauptlieferant von Nährstoffen für das Pferd. Sollte die Natur tatsächlich Recht behalten und schwerverdauliches Futter besser für unsere Pferde sein? Die Darmprobleme die aufgrund zu hoher Gaben von Kraftfuttern immer mehr auf dem Vormarsch sind beweisen dieses.

 

Ein weiteres Problem stellt der hohe Anteil an Fruktanen da, die wir auch in unserem Heu und Gras vorfinden. Körpereigene Enzyme können Fruktan nicht aufspalten, wohl aber Milchsäurebakterien im Dickdarm, die hier ja eigentlich nicht hin gehören. Für die sind die Fruktane ein gefundenes Fressen. Sie vermehren sich und bilden Milchsäure. In diesem Milieu gehen die Symbionten zu Grunde und ein idealer Nährboden für Pilze entsteht.

Am Kot der Pferde kann man einen übersäuerten Darm daran erkennen, dass er sauer riecht, dünn wird und der pH-Wert auf Werte unter 7 sinkt.

 

Die Futterindustrie hat schnell den Bedarf DER MENSCHEN an diversen Müslis und Futtermischungen erkannt und nutzt dieses voll aus. Die Müslis sehen toll aus, reichen gut aufgrund untergemischter ätherischer Öle, werden von den Pferden gut gefressen dank „Geschmacksregulanzien“ und enthalten alles was das Pferd braucht. …so, so…!

 

Ich denke das wisst ihr inzwischen besser als die Futtermittelhersteller ;-)

 

In Mischfuttern sind viele verschiedene Bestandteile zu finden.

 

Zum Beispiel:

 

Mais! Dieser beinhaltet zum Großteil Stärke, welche den Blutzuckerspiegel des Pferdes schnell in die Höhe treibt. Vorausgesetzt der Mais wurde vorher einer Wärmebehandlung unterzogen und z.B. zu Maisflocken verarbeitet, denn nur dann ist die Stärke für die Pferde zu verdauen. Pferde können einen hohen Blutzuckerspiegel aber nur langsam wieder regulieren. Wird der Zucker nicht umgehend in Energie umgesetzt entsteht mit der Zeit ein Diabetes mit Übergewicht.

 

Melasse! Ein Abfall aus der Zuckerproduktion der Staub bindet und gut schmeckt. Allerdings bildet die Melasse auch einen guten Nährboden für Bakterien und Pilze und wir haben wieder Zucker!

 

Luzerne! Luzerne ist eine Leguminose mit einem hohen Proteingehalt. Sie wird als Eiweißlieferant und Füllmaterial verwendet. Ist allerdings nur ein mäßig guter Lieferant für Aminosäuren (Bausteine der Eiweiße).

 

Struktur! Besteht meist aus Heu- oder Luzernehäcksel. Im Grunde eine gute Idee nur leider viel zu kurz gehäckselt, so dass das Pferd nicht auseichend kaut und das Material im Darm oft viel zu lange verweilt und Fehlgärungen auslöst.

Weizen! Leider oft in Hafermüslis zu finden ist nicht geeignet für die Pferdefütterung. Er enthält Gluten (Klebereiweiß) welches Darmschleimhautentzündungen auslöst. Die Klebereiweiße verursachen zudem Verkleisterungen im Magen.

 

Dinkel! Nur der Ur-Dinkel ist recht gut verdaulich für Pferde. Hochleistungsdinkel entspricht eher dem Weizen und ist ungeeignet.

 

Apfeltrester! Ein Abfall aus der Apfelsaftproduktion der Pektin und Fruchtzucker liefert. Meist eingesetzt als Füllmaterial und schmeckt gut.

 

Rübenschnitzel! Pektine und Zucker. Schmeckt gut.

 

Leinenextraktionsschrot! Ein Abfall aus der Leinölherstellung. Proteinlieferant für Sportpferde mit geringer Ölbelastung. Bringt Volumen ins Futter und liefert Energie.

 

Bierhefe! Ein Abfall aus der Bierherstellung siedelt sich im Dickdarm an und produziert dort Alkohol aus Zucker und Wasser.

 

Kommen wir nun zum Hafer und der Gerste.

 

Diese beiden Getreidesorten sind gut in der Pferdefütterung einzetzbar.

 

Hafer ist das Kraftfutter Nr. 1 in Europa.

Dies ist nicht ganz unberechtigt. Aufgrund seines hohen Spelzenanteils und seiner Größe wird er von den Pferden gut gekaut. Er kann auch als ganzer Hafer an Pferde mit gesunden Zähnen verfüttert werden. Seine relativ hohen Anteile an ungesättigten Fettsäuren und Schleimstoffen wirken sich günstig aus. Gequetschter Hafer muss innerhalb von 2 Tagen verfüttert werden, da die Fettsäuren sonst ranzig werden.

Der Hafer liefert dem Pferd schnelle Energie. Er wird bereits im Dünndarm verdaut und eignet sich gut als Futter für Warmblüter, Vollblüter und Sportpferde. Ungeeignet ist er meist für Robustrassen, Araber und Spanier da diese die Fettsäuren nur unsauber verstoffwechseln können.

 

Die Gerste liefert dem Pferd langsamer Energie, da sie im Dünndarm später verdaut wird als der Hafer. Sie wird von fast allen Pferden gut vertragen, darf aber nur in gequetschter oder gewalzter Form verfüttert werden. Hiermit wird die Verdaulichkeit der Stärke in der Gerste verbessert und eine Fehlgärung im Dickdarm verhindert.

Kräuter der Saison können die Kraftfutterration wunderbar aufwerten, sollten aber immer nur 4-6 Wochen als Kur gegeben werden.

 

Aber grundsätzlich ist es möglich den Energiebedarf eines Pferdes nur mit Heu abzudecken. Erst Pferde die schwere Arbeit leisten, wie z.B. beim Polo, Galopprennen oder beim Jagd- und Distanzreiten liegen etwas über dem Energiebedarf und benötigen zusätzlich zum Heu Kraftfutter.

 

Wie kann nun eine sinnvolle Fütterung aussehen?

 

Heu ad libitum (8-16kg am Tag)

Stroh als Lignin-Quelle

Salz

Mineralfutter, mit möglichst wenigen Kleberstoffen (Apfeltrester, Melasse) und nicht immer ein und dasselbe. Ruhig mal den Hersteller wechseln.

Kraftfutter auf möglichst viele kleine Portionen verteilt NACH dem Raufutter und möglichst wenig in der Gesamtmenge. Das heißt 1-3l hochwertiges Futter für ein Sportpferd und nur 1-2 Joghurtbecher (nicht den großen Bauern ;-) ) voll für Freizeitpferde. Wenn überhaupt…

Bei Mischfuttern unbedingt die Inhaltsstoffe überprüfen. Sie sollten dem Individualfall angepasst sein und natürlich pferdegerecht. Getreidefreie Mischfutter sind sinnlos.

 

Wollt ihr nun das Futter eurer Pferde umstellen macht dies langsam über 2-4 Wochen.

Ein bereits angegriffener Darm kann mit einer Kur wieder auf Vordermann gebracht werden. Dr. Ch. Fritz empfiehlt hier Süßholzextrakt, welcher 2 Wochen gegeben wird, dann 2 Wochen Pause, und nochmals eine Gabe über 2 Wochen. In diesen 6 Wochen bekommt das Pferd eine Handvoll Bitterkräuter dazu. Keine Leckerchen in dieser Zeit!!!

Zusätzlich zu dieser Kur können auch individuell auftretende Symptome mit behandelt werden.

Zum Beispiel Flohsamenschalen bei Kotwasser. Eine Entgiftung mit der Spirulina-Alge. Eine Entwässerung- und Entgiftungskur mit Montmorillonit.

 

Eine komplette Regeneration dauert seine Zeit. 3-18 Monate, je nachdem wie lange die Probleme bereits bestehen.

 

Ein Pferd auf Diät braucht immer ausreichend Raufutter. Hier sollte nicht dran gespart werden. Ist das Pferd gesund und kann sich bewegen muss es dieses vermehrt tun um Pfunde los zu werden. Man kann mit Kräuter-Stoffwechselkuren eine Diät unterstützen und ggf. das Heu wässern. Geschieht dies 5-10min lang werden Nährstoffe ausgewaschen und das nasse Heu sättigt die Pferde schneller.

 

Zum Saftfutter zählen Möhren und Äpfel. Von zu hohen Gaben rät Dr. Ch. Fritz ab. Sie empfiehlt 2-3 Möhren täglich und 1-2 Äpfel. Nicht mehr. Auch hier haben wir wieder viel Zucker der in der Masse unseren Pferden nicht gut tut. In Maßen sind aber besonders Möhren ein guter Beta-Karotin Lieferant. Dieses fördert allerdings auch die Rosse der Stute im Winter.

 

Resümee: Zucker: Nein, Danke! Lieber: Heu, Heu, Heu, Stroh, Salz, Mineral, Wasser und Bewegung! Dann geht es dem Darm unserer Pferde gut!!!

 

Klaus-Rainer Töllner(Biologe): „Wir sollten nicht immer alles besser wissen wollen als die Natur, denn die weiß den Weg.“

 

Bezugsquellen:

 

www.krauterie.de Kräutermischungen für Pferde

www.kristallkraft-pferdefutter.de Montmorillonit

www.okapi-online.de Süßholz, Flohsamen, Bitterkräuter u.m.

www.sulzberger.de Bodenheuraufe

www.hofmeister-pferdesport.de Heuraufe Hay Saver